Kostenlose KI-Berichte von Google und Bing im Vergleich
Search Console, Bings Topics Portfolio und Merchant Center: was jeder Bericht zählt, in welchen Ländern er verfügbar ist und was keiner der drei sieht.
Eine Einschränkung vorweg, weil sie für alles Weitere gilt: PSentry sieht keine der Oberflächen, um die es in diesem Artikel geht. Wir befragen ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity über ihre APIs. AI Overviews, den KI-Modus, Copilot und die KI-Zusammenfassungen in Bing lesen wir nicht. Wenn wir also schreiben, dass die kostenlosen KI-Berichte von Google und Bing Dinge zeigen, die wir nicht messen, ist das wörtlich gemeint.
Zwischen Mitte September und Mitte Oktober 2026 haben sich drei dieser kostenlosen KI-Berichte verändert. In Meetings fällt seither der Satz: „Mit Search Console, Bing Webmaster Tools und Merchant Center haben wir unsere KI-Sichtbarkeit abgedeckt, und das gratis.“ Diese Behauptung lässt sich in vier kleinere zerlegen. Nicht alle halten.
Kostenlose KI-Berichte in der DACH-Region: zwei von drei
Für ein Unternehmen, das in Deutschland, Österreich oder der Schweiz verkauft, ist die Länderfrage die erste.
Merchant Center, AI performance insights. Googles Shopping-Beitrag vom 16. September 2026 nennt fünf Länder: Australien, Kanada, Indien, Neuseeland und die USA. Kein europäisches Land ist dabei, also auch kein DACH-Markt. Der Beitrag spricht von Verfügbarkeit für Unternehmen in diesen Ländern und lässt offen, ob der Sitz des Unternehmens oder das Zielland des Feeds zählt. Wer in die USA exportiert, prüft das am besten direkt im eigenen Konto.
Search Console, Bericht zu generativen KI-Funktionen. Seit Ende August für alle Websites offen, mit einer Länderdimension. Eine Sprachdimension gibt es nicht. Gerade für die Schweiz ist das ein echtes Problem: Eine Suche aus Zürich, Genf oder Lugano kann auf Deutsch, Französisch oder Italienisch gestellt worden sein, und der Bericht unterscheidet das nicht.
Bing Webmaster Tools, AI Performance. Die Ankündigung von Topics Portfolio vom 13. Oktober 2026 nennt keinen Länder- oder Sprachfilter. Sie nennt dafür eine Schwelle: Themen mit zu wenig Aktivität werden nicht angezeigt, und kleinere Websites sehen womöglich eine kurze Liste oder die Funktion gar nicht. Für einen spezialisierten Mittelständler ist das ein realistischer Fall. Er sagt etwas über die Datenmenge aus, nicht über die Website.
Kein Skript, kein Consent-Banner
Ein Punkt spricht in Deutschland besonders für diese Berichte. Keiner der drei verlangt, dass Sie Code auf Ihren Seiten einbauen. Die Daten entstehen auf der Seite der Suchmaschine, die Inhaberschaft der Website wird einmalig bestätigt, etwa per DNS-Eintrag. Es gibt also kein zusätzliches Tracking auf Ihrer Website, das in die Einwilligungsabfrage müsste. Wer intern lange über jedes neue Analyse-Tag diskutiert, kann diese drei Berichte ohne diese Debatte nutzen.
„Jetzt sehen wir, wo wir in KI-Antworten vorkommen“
Sie sehen, wo ein Link auf Ihre Website erscheint oder wo Sie als Quelle zitiert werden. Das ist nicht dasselbe wie in der Antwort vorzukommen.
Search Console zählt Link-Impressionen in AI Overviews und im KI-Modus, nach Seite, Land und Gerät. Wie wenig das im Detail heißt, haben wir in Search Console und KI: Was der neue Bericht wirklich zählt auseinandergenommen: eine Impression pro Property und Antwort, keine Suchanfragen in der KI-Ansicht, nichts über den Satz um den Link herum.
Seit dem 24. September 2026 gibt es einen Filter für multimodale Suche, im Leistungsbericht wie im Bericht zu generativen KI-Funktionen. Laut dem Search Central Blog umfasst er Suchen mit Lens, mit „Circle to Search“ auf Android, per Bild-Upload in der Google-Suche und über die Bildsuche im Rechtsklickmenü von Chrome. Der Einkäufer, der ein Ersatzteil fotografiert, um den Hersteller zu finden, taucht hier auf. Es bleibt ein Zählwert angezeigter Links.
Bing zählt Zitationen und listet die Grounding-Anfragen, also die Anfragen, mit denen seine Systeme Ihre Seiten abgerufen und zitiert haben. Topics Portfolio fasst sie zu Themen zusammen und nennt je Thema drei Näherungswerte: Zitationen aller Websites, Zahl der zitierten Websites, Zahl der Anfragen. Bing selbst bittet darum, diese Zahlen als Richtungssignale für die Planung zu lesen und nicht als exakte Buchführung.
„Endlich sehen wir den Wettbewerb“
Nur einer der drei Berichte vergleicht mit anderen Marken, und nur bei Produkten.
Search Console kennt nur Ihre eigene Property. Topics Portfolio zeigt Opportunity-Anfragen, bei denen andere Websites zitiert werden und Ihre nicht, mit Zitationsmengen in Spannen. Damit sehen Sie die Lücke. Dass der Bericht die Websites benennt, die sie füllen, steht nicht in der Ankündigung, und sie warnt, dass auch Markenanfragen eines Wettbewerbers als Opportunity erscheinen können. Merchant Center vergleicht den Share of Voice eines Händlers mit anderen Marken in AI Mode und AI Overviews, allerdings für Produkte aus einem Feed und in den fünf genannten Ländern.
Was kein kostenloser KI-Bericht abdeckt
- ChatGPT, Claude und Perplexity. Sie gehören weder Google noch Microsoft, und keiner der drei Berichte beansprucht, sie zu sehen.
- Die Gemini-App. Search Console nennt AI Overviews und den KI-Modus. Die Gemini-App ist ein eigenes Produkt, wie wir in Gemini ist nicht Google AI Mode erklärt haben, und kommt in keinem der drei Berichte vor.
- Der Wortlaut der Antwort. Links, Zitationen, Share of Voice sind Zählwerte. Keiner zeigt den Satz, in dem Ihr Unternehmen beschrieben wurde, und ob er stimmte.
- Die Sprache. Keiner trennt die deutsche von der französischen Antwort auf dieselbe Frage.
Das sind keine Mängel. Jeder Bericht zeigt, was die KI-Funktionen eines einzigen Anbieters mit Ihren Seiten oder Produkten machen, und zwar kostenlos. Der Fehler liegt darin, die drei zu addieren und die Summe „KI-Sichtbarkeit“ zu nennen.
Jeder Bericht mit seiner Reichweite
Sinnvoll gelesen ist jeder der drei Berichte ein Messinstrument mit genau einem Messbereich. Was außerhalb liegt, gehört als Notiz daneben, nicht als Lücke, die man stillschweigend mit Annahmen füllt.
- Search Console: AI Overviews und der KI-Modus von Google, als Link-Impressionen auf Ihre Seiten, nach Seite, Land und Gerät. Der Multimodal-Filter trennt Bildsuchen von getippten Suchen, sofern Daten anfallen. Für die Schweiz gilt: Land ja, Sprache nein.
- Bing AI Performance und Topics Portfolio: Zitationen in Copilot und den KI-Zusammenfassungen von Bing, die Grounding-Anfragen dahinter und die Themen, in denen andere statt Ihrer zitiert werden. Als Richtung zu lesen, wie Bing selbst empfiehlt.
- Merchant Center: Share of Voice gegenüber anderen Marken für Feed-Produkte, nur wenn Sie in einem der fünf genannten Länder verkaufen. Für den Absatz in Deutschland, Österreich und der Schweiz liefert er derzeit nichts.
Wer die drei Berichte so nebeneinanderlegt, sieht schnell, dass sie sich kaum überschneiden. Search Console und Bing messen zwei verschiedene Suchmaschinen, Merchant Center misst Produkte statt Seiten. Ein Rückgang in einem der drei sagt deshalb nichts über die anderen beiden aus, und ein Anstieg auch nicht.
Was Marketingverantwortliche dazu wissen wollen
Müssen diese Berichte in unser Consent-Banner?
Nein, denn keiner der drei verlangt Code auf Ihren Seiten. Die Daten entstehen bei der Suchmaschine, die Inhaberschaft der Website wird einmalig bestätigt, etwa per DNS-Eintrag, und auf Ihrer Website kommt kein zusätzliches Tracking hinzu.
Zeigt Search Console, ob eine Suche aus der Schweiz auf Deutsch oder Französisch gestellt wurde?
Nein. Der Bericht hat eine Länderdimension, aber keine Sprachdimension. Eine Suche aus Zürich, Genf oder Lugano erscheint als Schweiz, gleich in welcher Sprache sie gestellt wurde.
Gibt es die AI performance insights im Merchant Center für Deutschland?
Nein. Google nennt fünf Länder: Australien, Kanada, Indien, Neuseeland und die USA. Für den Absatz in Deutschland, Österreich und der Schweiz liefert der Bericht derzeit nichts.
Wenn unsere KI-Impressionen in Search Console sinken, sinkt dann auch unsere Sichtbarkeit in Bing?
Daraus lässt sich nichts ableiten. Search Console und Bing messen zwei verschiedene Suchmaschinen, und ein Rückgang in einem Bericht sagt nichts über den anderen aus.
Die Opportunity-Anfragen von Topics Portfolio haben dennoch einen Nutzen über Bing hinaus: Es sind echte Fragen, bei denen andere statt Ihrer zitiert werden, und damit ein brauchbarer Ausgangspunkt für die Fragen, die Sie in den Assistenten prüfen. Dort setzt PSentry an. Es stellt ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity zweimal im Monat die Fragen Ihrer Einkäufer, in jeder Sprache und jedem Markt, in dem Sie verkaufen, und hält fest, ob Sie genannt werden, wie Sie beschrieben werden und wer an Ihrer Stelle genannt wird. In der Google-Suche und in Bing sieht es, wie eingangs gesagt, nichts. Eine Website mit guten KI-Impressionen in Search Console, die in der deutschen ChatGPT-Antwort fehlt, hat keine widersprüchlichen Daten. Sie hat zwei zutreffende Befunde über zwei verschiedene Systeme, die in getrennte Spalten gehören.