Search Console und KI: Was der neue Bericht wirklich zählt
Der Bericht zu generativen KI-Funktionen zählt Link-Impressionen in Übersichten mit KI und im KI-Modus. Ihre KI-Sichtbarkeit misst er nicht.
Eine Impression ist keine Nennung, und eine Nennung ist noch keine Empfehlung. Diese beiden Unterscheidungen sollte kennen, wer seit Anfang September den neuen Bericht zu generativen KI-Funktionen in der Search Console öffnet und darin vorschnell die eigene KI-Sichtbarkeit zu erkennen glaubt. Der Bericht zählt etwas Handfestes. Er zählt aber weder das, was ChatGPT, Claude oder Perplexity über ein Unternehmen sagen, noch den Wortlaut der Antwort, in der ein Link erscheint. Weil er kostenlos ist und jeder Website zur Verfügung steht, wird er schnell zur Zahl, die in Vorlagen wandert. Grund genug, ihn vorher auseinanderzunehmen.
Der DACH-Raum hat eine Vorgeschichte, Frankreich kaum
Für ein exportierendes Unternehmen aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz beginnt die Lektüre mit einer Eigenheit der Kalender. Google hat die Übersicht mit KI am 26. März 2025 in einer Welle eingeführt, zu der Deutschland und Österreich gehörten, jeweils auf Deutsch und Englisch, und die Schweiz auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch. Der KI-Modus folgte am 8. Oktober 2025, wieder für alle drei Länder zugleich, in der Schweiz auf Deutsch, Französisch und Italienisch. In Frankreich kamen die KI-Antworten der Suche dagegen erst am 22. Juli 2026 an.
Wer im neuen Bericht nach Ländern filtert, sieht deshalb nebeneinander eine eingeschwungene Kurve und eine, die gerade erst anläuft. Ein Anstieg der Impressionen aus Frankreich im August sagt dann weniger über die eigenen Seiten als darüber, dass es die Funktion dort vorher schlicht nicht gab. Wer Märkte miteinander vergleicht, sollte also zuerst das Datum prüfen, ab dem ein Land überhaupt etwas zeigen konnte, und erst dann über Unterschiede nachdenken.
Für die Schweiz kommt eine zweite Feinheit hinzu. Die Länderdimension gruppiert nach dem Ort, von dem aus gesucht wurde. Eine Sprachdimension beschreibt die Dokumentation nicht. Ob ein Ingenieur in Lausanne auf Französisch oder eine Einkäuferin in Winterthur auf Deutsch gesucht hat, landet in derselben Zeile.
Was der Bericht enthält, vollständig aufgezählt
Angekündigt hat Google die Berichte am 3. Juni 2026, zunächst für einen Teil der Websites. Ein Nachtrag hält fest, dass sie seit dem 31. August allen Websites weltweit zur Verfügung stehen. Es gibt eine Ansicht für die Suche und eine für Discover. Die Hilfeseite zum Leistungsbericht zu generativen KI-Funktionen nennt für die Suche die Übersichten mit KI und den KI-Modus, kündigt Ergänzungen der Liste an und nimmt Experimente in Search Labs aus. Zu sehen sind:
- Impressionen: wie oft Links zu Ihrer Website in einer generativen KI-Funktion angezeigt wurden.
- Seiten: gruppiert nach der endgültigen URL, auf die verlinkt wurde, nach etwaigen Weiterleitungen.
- Länder: nach Herkunft der Suche.
- Geräte: Desktop, Tablet, Mobilgerät.
- Datum, wobei die jüngsten Werte als vorläufig markiert sind.
Mehr steht nicht auf der Liste. Einen Klickwert beschreibt die Dokumentation für diese Ansicht nicht, eine Dimension für Suchanfragen ebenso wenig. Für einen Zulieferer mit einem eng umrissenen Produkt ist das keine Kleinigkeit: Ob die Impressionen auf einer Produktseite von Konstrukteuren stammen, die Datenblätter vergleichen, oder von Studierenden, die an einer Hausarbeit sitzen, bleibt offen. Weitere Kennzahlen will Google nach eigener Aussage im Lauf der Zeit ergänzen. Das ist eine Absichtserklärung und keine Funktion.
Ein angezeigter Link ist noch keine Empfehlung
Gezählt wird je Website. Erscheinen in einer KI-Funktion mehrere Links zur selben Website, entsteht eine einzige Impression. Wird eine Seite in derselben Antwort des KI-Modus dreimal als Quelle angeführt, schlägt sich das einmal nieder.
Schwerer wiegt, dass Links gezählt werden und keine Erwähnungen. Eine Übersicht mit KI kann Ihre Produktgruppe beschreiben, Ihr Unternehmen beim Namen nennen und Ihr Sortiment zusammenfassen. Verlinkt sie Ihre Website nicht, gibt es nichts zu zählen. Umgekehrt kann ein Link auf eine Ihrer Seiten unter den Quellen einer Antwort stehen, deren Text einen Wettbewerber empfiehlt. Beides kommt vor, und die Impressionszahl unterscheidet es nicht.
Auch der klassische Leistungsbericht hilft nur bedingt weiter. Dort sind Auftritte in KI-Funktionen weiterhin im Suchtyp Web enthalten, samt Suchanfragen. Die Position ist allerdings mit Vorsicht zu lesen: Nach Googles Hilfe belegt eine Übersicht mit KI eine einzige Position, und alle Links darin erhalten dieselbe. Ob Ihre Seite als erste oder als fünfte Quelle erscheint, ergibt denselben Wert.
Der Einkäufer, der gar nicht googelt
Der Bericht deckt die generativen Funktionen der Google-Suche und von Discover ab. ChatGPT, Claude und Perplexity sind keine Google-Produkte und kommen darin nicht vor, und die Gemini-App gehört nicht zu den Oberflächen, die die Dokumentation aufführt. Wer als Einkäufer einen eigenständigen Assistenten um eine Lieferantenliste für eine Ausschreibung bittet, hinterlässt in der Search Console keine Spur.
Ebenso wenig enthält der Bericht die Antwort selbst. Er vermerkt, dass ein Link angezeigt wurde. Den Satz um den Link herum vermerkt er nicht, auch nicht, ob dieser Satz stimmte, ob er Sie als Spezialisten oder als Randnotiz darstellte und welche Wettbewerber neben Ihnen oder an Ihrer Stelle genannt wurden. Da er nur über die eigene Property berichtet, bleiben die übrigen Namen in derselben Übersicht bauartbedingt unsichtbar. Ein Mangel ist das nicht. Der Bericht zeigt Websitebetreibern, wie Googles Funktionen ihre Seiten darstellen, und das leistet er ordentlich.
An dieser Stelle verkündet ein Anbieter üblicherweise, sein Produkt schließe sämtliche Lücken. Unseres tut das nicht, und nach dem Zerlegen einer Übertreibung wäre die nächste wenig überzeugend.
PSentry misst, was ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity antworten, wenn man ihnen die Fragen Ihrer Kunden stellt, in jeder Sprache und jedem Markt, in dem Sie verkaufen: ob Sie genannt werden, wie Sie beschrieben werden, welche Quellen angeführt werden und wer an Ihrer Stelle erscheint. Das geschieht über die Programmierschnittstellen der Assistenten, zweimal im Monat. Übersichten mit KI, den KI-Modus und andere KI-Funktionen innerhalb der Google-Suche erfasst PSentry nicht, und auf Ihre Search-Console-Daten hat es keinen Zugriff.
Sinnvoll sind also zwei Messungen nebeneinander, die jeweils ein Gebiet abdecken, das die andere nicht erreicht. Die Search Console zählt kostenlos und aus erster Hand Link-Impressionen in Googles KI-Funktionen, nach Seite, Land und Gerät. Eine Messung auf Ebene der Assistenten liest den Text der Antworten je Sprache, einschließlich der Wettbewerber, sieht aber keine Google-Ergebnisseite. Eine Website mit ordentlichen KI-Impressionen in der Search Console, die in der deutschen ChatGPT-Antwort fehlt, hat keine widersprüchlichen Daten. Sie hat zwei Befunde über zwei Systeme, und einen Mittelwert daraus sollte sie sich sparen.
Was Vertrieb und Geschäftsführung dazu wissen wollen
Ersetzt die neue Ansicht den bisherigen Leistungsbericht?
Nein. Laut Google fließen die Daten aus generativen KI-Funktionen weiterhin in den Gesamtbericht ein. Die neue Ansicht sondert sie lediglich aus. Wer die Impressionen Monat für Monat vergleicht, hatte die Auftritte in KI-Funktionen also schon vorher in seinen Summen.
Warum fallen die KI-Impressionen niedriger aus als erwartet?
Zum einen wegen der Zählregel, nach der mehrere Links zur selben Website in einer Funktion eine Impression ergeben. Zum anderen, weil nur Links zählen und eine Erwähnung ohne Link nichts auslöst. Außerdem sind die jüngsten Tage vorläufig und können sich noch verändern.
Lässt sich sehen, welche Wettbewerber in derselben Übersicht standen?
Nein. Die Search Console berichtet ausschließlich über die eigene Property, weder über andere verlinkte Websites noch über Unternehmen, die im Text genannt wurden.
Kann man Österreich und die Schweiz mit Deutschland zusammen auswerten?
Die drei Länder erscheinen als getrennte Zeilen, und weil alle drei die Funktionen zu denselben Terminen erhalten haben, lassen sich ihre Kurven ohne Datumskorrektur vergleichen. Eine Zeile für den deutschsprachigen Markt insgesamt gibt es nicht, und die Schweizer Zahlen enthalten Suchen in allen Landessprachen.