Zurück zum Blog Die Website ist übersetzt. Weiß das auch der Quelltext?

Die Website ist übersetzt. Weiß das auch der Quelltext?

Google Ads fragt nicht mehr nach der Sprache, sondern schließt selbst. Ein Prüfablauf für einen Nachmittag: hreflang, de oder de-CH, lang und Titel.

Übersetzen und Kennzeichnen sind zwei verschiedene Arbeiten, und in vielen Unternehmen ist nur die erste beauftragt worden. Das Übersetzungsbüro liefert den Text, die Webagentur baut ihn ein, und die Frage, ob die deutsche Seite im Quelltext auch als deutsche Seite ausgewiesen ist, fällt zwischen die beiden Aufträge. Für den Einkäufer in Stuttgart ist das belanglos: Er sieht, dass die Seite deutsch ist. Nur ist er längst nicht mehr der einzige Leser, und die übrigen lesen nicht wie ein Mensch.

Anlass für diese Zeilen ist eine Änderung bei Google Ads. Am 13. August 2026 hat Google angekündigt, dass Suchkampagnen ab September keine Sprachausrichtung auf Kampagnenebene mehr kennen. Die Anzeigen werden, so die Google-Ads-Hilfe, automatisch anhand der Sprache der Anzeigen ausgespielt, und bevorzugt werden Anzeigen, deren Sprache zur Sprache des Suchbegriffs passt. Wo der Werbetreibende früher ein Häkchen setzte, schließt heute das System.

Um Anzeigen geht es im Folgenden nicht. Es geht darum, dass immer mehr Systeme selbst ermitteln sollen, in welcher Sprache eine Seite verfasst ist, und dass keines davon den Kontext des Einkäufers hat. Auf einer Website mit zwei CMS-Umzügen hinter sich ist das keine Kleinigkeit. Was folgt, ist ein Prüfablauf für einen Nachmittag, mit nichts als Browser und Quelltextansicht.

Prüfpunkt 1: die hreflang-Zeilen zählen

Im Kopf des Quelltexts stehen, sofern vorhanden, die Zeilen <link rel="alternate" hreflang="...">. Sie können ebenso gut in den HTTP-Headern oder in der XML-Sitemap stehen; Google akzeptiert alle drei Wege. Gesucht wird also dort, wo Ihre Agentur sie abgelegt hat.

Die Rechnung ist schlicht und eignet sich gerade deshalb als Test. Gibt es eine Produktseite in fünf Sprachen, trägt jede der fünf Fassungen denselben Satz: fünf hreflang-Zeilen, eine davon auf sich selbst, dazu gegebenenfalls x-default. Sechs Zeilen also, auf allen fünf Seiten identisch. Die Google-Dokumentation zu lokalisierten Versionen verlangt, dass jede Fassung sich selbst und alle anderen nennt, und dass Seite Y auf Seite X zurückverweist, wenn X auf Y verweist. Fehlt der Rückverweis, werden die Angaben ignoriert. Eine einzige deutsche Seite, die den Weg zurück zur französischen vergessen hat, entwertet das Paar, und nirgends erscheint eine Fehlermeldung.

Bei der Gelegenheit drei weitere Punkte. Die Adressen müssen vollständig sein, mit https:// davor. Der Wert beginnt immer mit einem Sprachcode nach ISO 639-1, wahlweise gefolgt von einem Regionscode nach ISO 3166-1 Alpha 2: de allein ist gültig, de-AT ebenfalls, ein Ländercode ohne Sprache nicht. Und x-default ist freiwillig, gedacht als Rückfallwert für Besucher, deren Sprache oder Region zu keiner Fassung passt. Für einen Exporteur mit einer sinnvollen Standardfassung lohnt er sich in aller Regel.

Ein einziges „de“ ist eine Entscheidung

Hier stellt sich eine Frage, die ein britischer Leser so nicht kennt. Deutsch ist die Sprache mehrerer Märkte mit eigenen Gepflogenheiten, und hreflang erlaubt es, sie auseinanderzuhalten: de-DE, de-AT, de-CH. Die meisten Mittelständler haben genau eine deutsche Fassung und kennzeichnen sie mit de. Das ist korrekt. Es ist nur keine technische Voreinstellung, sondern eine Aussage: Diese eine Seite gilt für Hamburg, Graz und Winterthur gleichermaßen.

Oft stimmt das auch. Ein Datenblatt für ein Hydraulikventil braucht keine österreichische Ausgabe. Anders liegt der Fall, wenn die Seite Preise in Euro nennt und der Schweizer Kunde in Franken rechnet, wenn Lieferbedingungen, Zollhinweise oder Ansprechpartner je Land verschieden sind, oder wenn im Text Begriffe stehen, die man in Wien oder Zürich anders sagt. Dann ist de für alle drei eine Vereinfachung, und die sollte jemand bewusst getroffen haben, statt sie vom CMS geerbt zu haben.

Zwei Fehler begegnen einem dabei häufiger als die fehlende Regionalfassung. Der erste ist die Seite mit de-CH, die mit der deutschen Wort für Wort übereinstimmt: Der Quelltext behauptet einen Unterschied, den der Text nicht einlöst. Der zweite ist ein Ländercode allein, etwa ch für die Schweiz. Da der erste Code nach Googles Regeln immer die Sprache bezeichnet, steht dort nicht, was gemeint war.

Prüfpunkt 2: die Seite lesen wie jemand, der nur Deutsch spricht

Diesen Schritt nimmt Ihnen kein Validierungswerkzeug ab, und an dieser Stelle fallen mehrsprachige Industrieseiten am häufigsten auseinander. Markieren Sie auf der deutschen Seite alles, was nicht deutsch ist. Die üblichen Verdächtigen:

  • Navigation und Fußzeile, englisch geblieben, weil sie im Template stehen und das Template nie beim Übersetzungsbüro war.
  • Technische Tabellen, aus dem englischen Master kopiert: Die Seite beschreibt das Produkt auf Deutsch und spezifiziert es auf Englisch.
  • Downloads: Datenblatt, Montageanleitung, Zertifikat, hinter einem deutschen Link als englisches PDF.
  • Schaltflächen, Formularfelder, Cookie-Banner, die niemand zur Übersetzung geschickt hat.

Google empfiehlt, pro Seite eine Sprache für Inhalt und Navigation zu verwenden und keine Übersetzungen nebeneinanderzustellen. Der Gedanke hängt allerdings nicht an Google. Englischer Text auf einer deutschen Seite ist englischer Text für jeden Leser, Mensch oder Maschine. Dass KI-Assistenten hreflang auswerten, ist nirgends dokumentiert, und man sollte es auch nicht unterstellen. Sicher ist nur, dass ein Assistent, der Ihre deutsche Seite abruft, deren Text erhält. Steht der Teil, der über einen technischen Kauf entscheidet, auf Englisch da, erhält er eben diesen.

Prüfpunkt 3: lang, title und description

Zuletzt der Kopf der Seite, der schnellste Teil. Das erste Element im Quelltext lautet <html lang="...">; notieren Sie den Wert für jede Sprachfassung. Das W3C rät, das Attribut immer auf dem html-Element zu setzen, mit einem Code nach BCP 47 wie de oder de-CH, und dafür kein meta http-equiv="Content-Language" zu verwenden. Der typische Befund ist unspektakulär: sämtliche Fassungen mit lang="en", weil das Attribut in einer gemeinsamen Vorlage steht, die niemand angefasst hat.

Hier ist Genauigkeit angebracht, weil der Zusammenhang oft falsch dargestellt wird. Google schreibt ausdrücklich, dass es weder hreflang noch das lang-Attribut verwendet, um die Sprache einer Seite zu erkennen; maßgeblich ist der sichtbare Inhalt. Ein falsches lang führt in der Google-Suche also nach Googles eigener Auskunft nicht zu einer falschen Einordnung. Korrigieren sollten Sie es trotzdem. Software, die lieber eine Angabe liest als rät, liest genau diese. Eine Angabe, die dem Inhalt widerspricht, ist schlechter als gar keine.

Dann <title> und meta name="description". Beide werden gern als Letztes lokalisiert, weil das CMS sie aus einem Standardwert befüllt oder weil sie in einem eigenen SEO-Feld liegen, das beim Übersetzen niemand geöffnet hat. Eine deutsche Seite mit englischem Titel gibt in ihren ersten Codezeilen zwei widersprüchliche Auskünfte über sich selbst.

Was dieser Nachmittag nicht beantwortet

Eine Website, die alle Prüfpunkte besteht, ist korrekt beschriftet. Mehr nicht. Ob ein Assistent Sie nennt, wenn ein Einkäufer auf Deutsch fragt, wer liefert, was Sie liefern, ist eine andere Messung. Diese Messung übernimmt PSentry: dieselben Fragen an ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity, in jeder Sprache und jedem Markt, in dem Sie verkaufen, zweimal im Monat. Ihr Markup prüft das Werkzeug nicht, und welche Ihrer Seiten das falsche lang trägt, erfahren Sie dort nicht. Der Nachmittag bleibt Ihre Sache.