Länderdomain oder .com: Welche Quellen KI-Assistenten zitieren

Länderdomain oder .com: Welche Quellen KI-Assistenten zitieren

Wir haben die Quellen von 17.719 KI-Antworten nach Domain sortiert. Für Deutsch gab es keine einzige Antwort. Was die anderen Sprachen zeigen und was Sie messen sollten.

Am 20. Oktober 2026 haben wir alle Quellen exportiert, die PSentry seit dem 13. Dezember 2025 gesammelt hatte: 17.719 Antworten von ChatGPT, Gemini, Claude und Perplexity mit zusammen 166.524 Links. Die Frage war, ob ein Assistent bei einer Einkaufsfrage eher Länderdomains oder .com-Seiten zitiert und ob sich das mit der Sprache des Prompts ändert. Für Italienisch, Französisch und Englisch bekamen wir eine klare Antwort. Für Deutsch blieb die Spalte leer.

Keine deutschen Daten: das sagen wir vorab

Unter den 17.719 Antworten stammt keine einzige aus einem deutschsprachigen Prompt. Wir können deshalb nicht sagen, ob ChatGPT, Gemini, Claude oder Perplexity auf Deutsch eher .de oder .com zitieren. Jede Zahl, die wir hier für Deutschland nennen würden, wäre erfunden.

Das ist keine Formalität. Gerade für Deutsch wäre es verlockend, aus den Nachbarsprachen hochzurechnen: Französisch liegt bei .com vorn, Italienisch bei der Länderdomain, also wird Deutsch wohl irgendwo dazwischen liegen. Diese Schlussfolgerung trägt nicht. Der deutsche Markt hat eine eigene Struktur aus Fachportalen, Verbänden und Herstellerseiten, und ob die Assistenten daraus eher .de- oder .com-Quellen ziehen, ist eine empirische Frage, keine logische.

Was wir zeigen können, ist das Muster in drei anderen Sprachen und die Methode, mit der Sie es für Ihren Markt selbst prüfen.

Was Italienisch, Französisch und Englisch zeigen

Wir haben die Domain jeder Quelle einer von drei Gruppen zugeordnet: .com, die Länderdomain der Promptsprache, alles andere. Das Ergebnis, jeweils pro 100 Quellen:

  • Italienisch: etwa 50 auf .it, 36 auf .com. ChatGPT kam auf 59 .it-Quellen, Gemini und Claude auf je 55. Nur Perplexity lag mit 37 .it unter seinen 43 .com.
  • Französisch: 54 auf .com, etwa 30 auf .fr. Kein Assistent setzte .fr vor .com.
  • Englisch: 75 auf .com, etwa 5 auf .uk.

Die Regel daraus lautet: Die Sprache des Prompts verschiebt die Quellen der KI-Assistenten in Richtung Länderdomain, wie stark, hängt von Sprache und Assistent ab. Ob Deutsch eher wie Italienisch oder eher wie Französisch funktioniert, lässt sich aus diesen Zahlen nicht ableiten.

Hinzu kommt: Die Assistenten gehen unterschiedlich oft ins Web. Claude nannte in 97 von 100 Antworten mindestens eine Quelle, Perplexity in 94, Gemini in 56, ChatGPT in 44. Wer nur ChatGPT beobachtet, hat also deutlich weniger Quellen zum Auswerten.

Eine Sprache, drei Länderdomains

Für Deutsch ist die Frage schwieriger als für Italienisch. Ein deutscher Prompt sagt nicht, ob der Einkäufer in Stuttgart, Linz oder Zürich sitzt, und die passende Länderdomain wäre jeweils eine andere: .de, .at oder .ch. Eine Auswertung, die nur .de zählt, unterschätzt den lokalen Anteil, sobald österreichische oder Schweizer Quellen auftauchen.

Für ein Unternehmen im DACH-Raum heißt das: Messen Sie nicht „auf Deutsch“, sondern pro Markt. Prompts, die das Land nennen („Lieferant für Hydraulikventile in Österreich“), zeigen, ob sich die Quellen zwischen .de, .at und .ch tatsächlich verschieben. Für Schweizer Einkäufer kommt hinzu, dass dieselbe Frage auch auf Französisch oder Italienisch gestellt werden kann, mit jeweils anderen Quellen.

So messen Sie es selbst

  • Legen Sie für jeden Markt die Einkaufsfragen fest, die Ihre Kunden stellen würden, auf Deutsch und mit Landesbezug.
  • Notieren Sie für jede Antwort die zitierten Domains und ordnen Sie sie zu: .de, .at, .ch, .com, sonstige.
  • Prüfen Sie, ob Ihre eigenen deutschsprachigen Seiten darunter sind und auf welcher Domain sie liegen.
  • Halten Sie fest, welche lokalen Seiten wiederkehren: Fachpresse, Verbände, Branchenverzeichnisse. Dort wird in diesem Markt über Lieferanten gesprochen.

Wie viele Antworten Sie brauchen

Eine einzelne Abfrage reicht nicht. Die Antworten der Assistenten schwanken von Lauf zu Lauf, und ChatGPT geht in weniger als der Hälfte der Antworten überhaupt ins Web. Unsere 259 spanischen Antworten, etwa 65 pro Assistent, haben wir als zu dünn eingestuft, um sie zu veröffentlichen. Für eine eigene Auswertung sollten Sie also pro Markt und pro Assistent deutlich mehr Antworten sammeln, verteilt über mehrere Scans, und die vier Assistenten getrennt lesen. Ein Durchschnitt über alle vier verdeckt genau die Unterschiede, die in den anderen Sprachen am deutlichsten waren: Perplexity zog im Italienischen 37 .it-Quellen pro 100, ChatGPT 59.

Eine .de-Domain zu registrieren, sorgt nicht dafür, dass Sie zitiert werden. Die Domain ist ein Etikett, zitiert werden Seiten, die die Frage in der Sprache des Einkäufers beantworten.

PSentry zeigt in der Quellenansicht pro Sprache, welche Domains jeder Assistent für Ihre überwachten Prompts genutzt hat, mit zwei Scans im Monat. Das zeigt, woher die Antworten kommen, und verändert sie nicht.

Grenzen der Auswertung

Die Prompts sind die der PSentry-Kunden, vor allem B2B-Dienstleistungen und Industrie, und kein repräsentativer Querschnitt. Sprache und Markt fallen in unseren Daten zusammen. Eine Domain ist keine Nationalität: Viele Mittelständler führen ihre Hauptseite auf .com. Und es sind Antworten über die API, nicht aus den Apps der Endnutzer. Spanisch hat nur 259 Antworten, zu wenig für Schlüsse.

Bevor Sie Domains zählen, lohnt die Frage, in welcher Sprache Sie überhaupt messen. Und wie man ein Prompt-Set pro Exportmarkt aufbaut, steht in einem eigenen Beitrag.