Claude-Quellen: Was Claude bei Lieferantenfragen zitiert
Claude nennt in unseren Daten in 97 von 100 Antworten Quellen, mehr als jeder andere Assistent, aber aus einem engeren Kreis. Deutsche Daten haben wir keine.
„Claude sucht doch gar nicht, Claude antwortet aus dem Gedächtnis. Die Quellen von Claude zu prüfen, bringt nichts.“ Der Einwand ist berechtigt, und wir haben ihn in ähnlicher Form selbst vertreten, in einem Beitrag zur Markenbeobachtung bei Claude, wo wir Claude als Assistenten beschrieben, der sich vor allem auf sein Trainingswissen stützt. Am 20. Oktober 2026 haben wir den Einwand an unseren eigenen Daten geprüft: Welche Claude-Quellen tauchen auf, wenn nach Lieferanten gefragt wird, wie viele, und von welchen Websites? Eine Hälfte des Einwands hat die Prüfung nicht überstanden. Die andere schon.
Warum dieser Text keine deutschen Zahlen enthält
Das vorweg, weil es für Sie als Leser in Deutschland, Österreich oder der Schweiz die wichtigste Einschränkung ist. PSentry hat zwischen dem 13. Dezember 2025 und dem 20. Oktober 2026 insgesamt 17.719 Antworten von ChatGPT, Gemini, Claude und Perplexity gesammelt, über die APIs der Anbieter, mit 166.524 Quell-URLs. Davon stammen 3.904 von Claude. Keine einzige dieser Antworten beantwortet eine Frage auf Deutsch. Die Fragen sind die, die PSentry-Kunden beobachten, überwiegend zu B2B-Dienstleistungen und Industrieprodukten, und darunter war bisher keine deutsche. Repräsentativ für alles, was man Claude fragt, ist die Stichprobe ohnehin nicht.
Was folgt, beruht also auf Fragen auf Englisch, Italienisch und Französisch. Ob sich Claude bei einer deutschen Frage ähnlich verhält, wissen wir nicht. Wir übertragen die Werte deshalb nicht auf den deutschsprachigen Markt, und Sie sollten es auch nicht tun, bevor Sie es selbst geprüft haben.
Quellen in 97 von 100 Antworten
Claude hat in 97 von 100 Antworten mindestens eine Quelle angegeben. Perplexity, das Werkzeug, das man gemeinhin mit sichtbaren Quellen verbindet, in 94. Gemini in 56 von 100, ChatGPT in 44. Auch pro Antwort lieferte Claude die meisten Quellen: im Schnitt 12,4, gegenüber 11,6 bei Perplexity, 10,3 bei Gemini und 3,9 bei ChatGPT.
Die Erklärung steht in der Dokumentation von Anthropic zum Websuche-Werkzeug. Ist es verfügbar, entscheidet Claude selbst, ob gesucht wird. Zu den dort genannten Anlässen gehören Informationen über bestimmte Organisationen, Personen oder Produkte, die sich geändert haben könnten. Eine Lieferantenfrage fällt genau darunter. Laut derselben Seite sind Zitate bei der Websuche immer aktiviert.
Eine Einschränkung gehört dazu. Unsere Antworten laufen über die API, und PSentry fragt Claude Haiku 4.5 ab, das kompakte Modell, das Anthropic am 15. Oktober 2025 veröffentlicht hat. Die App, die Ihr Einkäufer öffnet, kann ein anderes Modell mit eigenen Anweisungen nutzen.
Viele Quellen, aus einem engen Kreis
Hier überlebt der Einwand in anderer Form. Auf Englisch enthielten die Claude-Antworten 11.381 Quellen aus 1.664 verschiedenen Domains, also rund sieben Zitate pro Domain. Perplexity kam auf etwa drei. Auf Italienisch und Französisch zeigte sich dasselbe Muster. Claude zitiert viel, kehrt aber immer wieder zu denselben Adressen zurück. In diesen Kreis zu gelangen, ist schwerer. Wer drin ist, taucht dafür in vielen Antworten auf.
B2B-Verzeichnisse und Bewertungsportale (Europages, Kompass, Sortlist, Clutch, G2, Trustpilot, Capterra, GoodFirms, DesignRush) wogen bei Claude auf Italienisch und Französisch schwerer als bei den anderen Assistenten, auf Italienisch rund 6 von 100 Quellen. Auf Englisch lag dagegen Perplexity vorn. Warum solche Portale überhaupt zitiert werden, erklärt unser Beitrag zu G2 und Trustpilot.
Die Sprache der Frage bestimmte zudem das Land der Quellen: Auf Italienisch waren 55 von 100 Claude-Quellen .it-Domains, auf Englisch 80 von 100 .com-Domains.
Was das für deutschsprachige Anbieter heißt
Ein Punkt fällt auf, sobald man die Liste der gezählten Verzeichnisse liest: Die Plattformen, die im deutschsprachigen B2B-Einkauf üblich sind, etwa „Wer liefert was“, stehen nicht darauf. Wir haben sie nicht gezählt, weil in unseren Daten keine deutschen Fragen vorkommen. Ob Claude sie bei einer Frage auf Deutsch so behandelt wie Kompass bei einer italienischen, ist offen.
Gleiches gilt für die Endungen. Bei italienischen Fragen las Claude überwiegend italienische Websites. Ob eine deutsche Frage ebenso stark zu .de-Domains führt, oder ob .at und .ch für Einkäufer in Österreich und der Schweiz eine eigene Rolle spielen, lässt sich aus unseren Zahlen nicht ablesen. Für einen Hersteller aus Baden-Württemberg, der nach Wien und Zürich liefert, ist das keine Nebensache.
Was die Prüfung außerdem offenlässt:
- Die Claude-App. Anderes Modell, andere Anweisungen, andere Oberfläche.
- Die Gründe. Domains zu zählen zeigt, wo Claude nachgesehen hat, nicht, was dort überzeugt hat.
- Einen Trend. Es sind Summen über zehn Monate, in denen sich die Assistenten verändert haben.
- Spanisch. 66 Claude-Antworten sind eine Anekdote, kein Muster.
Der Test lässt sich in einer Stunde selbst durchführen. Formulieren Sie fünf Fragen, die ein Einkäufer stellen würde, bevor er Ihren Namen kennt, auf Deutsch und in jeder weiteren Sprache, in der Sie verkaufen. Stellen Sie sie Claude mit aktivierter Websuche und notieren Sie jede genannte Quelle. Sortieren Sie die Liste dann in fünf Spalten: eigene Website, Wettbewerber, Verzeichnisse, Fachpresse, Rest. Achten Sie auf die Domain-Endungen: .de, .at, .ch oder .com.
PSentry macht dasselbe bei ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity, zweimal im Monat, nach Sprache und Markt, und speichert die Quellen jedes Assistenten. Es zeigt, wo Claude nachgesehen hat. Dass Claude bei Ihnen nachsieht, kann es nicht bewirken.