Zurück zum Blog Universal Commerce Protocol: Was B2B-Lieferanten wissen sollten

Universal Commerce Protocol: Was B2B-Lieferanten wissen sollten

Ein Protokoll, ein Warenkorb, ein Agent: drei Ankündigungen unter einer Überschrift. Für Zulieferer zählt heute nur eine davon, und es ist nicht der Checkout.

Agentic Commerce ist zum Sammelbegriff geworden, und darunter verschwimmen drei verschiedene Dinge. Das Universal Commerce Protocol (UCP) ist eine Spezifikation: eine gemeinsame Sprache, in der Software ein Unternehmen fragt, was es verkauft und wie man es kauft. Universal Cart ist ein Google-Produkt für Endkunden, gebaut auf dieser Sprache und seit dem 15. Oktober 2026 in den USA im Rollout. Ein Agent ist Software, die im Auftrag eines Menschen handelt, mit oder ohne die beiden anderen. Wer an Unternehmen verkauft, sollte die drei auseinanderhalten, denn nur eines davon betrifft Sie schon heute.

Punchout gibt es längst: der nützlichere Vergleich

Deutschen Einkaufsabteilungen ist die Grundidee von UCP nicht fremd. Über OCI, das Open Catalog Interface aus der SAP-Welt, springt ein Einkäufer seit Jahren aus seinem Beschaffungssystem in den Katalog des Lieferanten, legt Artikel in einen Warenkorb und überträgt ihn zurück ins eigene System. Dort laufen Freigabe, Bestellung und Wareneingang nach den Regeln des Rahmenvertrags. Auch die Rechnung geht eigene Wege: Seit dem 1. Januar 2025 müssen Unternehmen in Deutschland E-Rechnungen empfangen können, etwa im Format XRechnung oder ZUGFeRD.

UCP löst ein verwandtes Problem auf andere Weise. Der Lieferant beschreibt seine Fähigkeiten maschinenlesbar, und auf der Gegenseite kann ein Beschaffungssystem stehen, aber ebenso ein KI-Agent. Die Spezifikation nennt Beschaffungssysteme ausdrücklich als mögliche Gegenseite und erklärt ihre Rollen für B2C wie für B2B gültig. Der entscheidende Unterschied: Punchout setzt eine eingerichtete Lieferantenbeziehung voraus. UCP ist dafür gebaut, dass Systeme ohne eigens programmierte Integration miteinander sprechen.

Was im Protokoll steht

Google hat UCP am 11. Januar 2026 als offenen Standard vorgestellt, entwickelt mit Shopify, Etsy, Wayfair, Target und Walmart. Die Spezifikation liegt auf ucp.dev und auf GitHub, unter der Lizenz Apache 2.0.

Der Mechanismus hat zwei Schritte. Zuerst die Erkennung: Das Unternehmen veröffentlicht unter einer festen Adresse, /.well-known/ucp, eine JSON-Datei mit seinen Diensten, Fähigkeiten und akzeptierten Zahlungsarten. Fähigkeiten tragen Namen wie dev.ucp.shopping.checkout, dev.ucp.shopping.cart oder dev.ucp.shopping.order. Dann die Aushandlung: Die Gegenseite schickt bei jeder Anfrage ihr eigenes Profil mit, das Unternehmen bildet die Schnittmenge und wählt die höchste Version, die beide verstehen. Übertragen wird über eine REST-API, über MCP für KI-Agenten oder über A2A zwischen Agenten.

Zwei Punkte sind für Lieferanten wichtig. Das Unternehmen bleibt Merchant of Record, behält also Transaktion, Haftung und Kundenbeziehung und rechnet über den eigenen Zahlungsdienstleister ab. Und die heute veröffentlichten Fähigkeiten liegen im Namensraum shopping: Warenkorb, Checkout, Bestellung, Rabatte, Versand. Eine Fähigkeit für Angebotsanfragen sieht die Seite mit den Grundkonzepten der Spezifikation, Stand 20. Oktober 2026, nicht vor. Genau dort beginnen aber viele Aufträge zwischen Unternehmen.

Universal Cart: ein US-Produkt für Endkunden

Universal Cart sammelt Produkte verschiedener Händler aus der Google-Suche, auch aus dem KI-Modus, und aus der Gemini-App in einem einzigen Warenkorb. Er beobachtet Preise und Verfügbarkeit, zeigt Gutscheincodes und Kartenvorteile aus Google Wallet und bietet zwei Wege zur Kasse: Google Pay direkt im Warenkorb oder die Übergabe an den Warenkorb des Händlers. Die Ankündigung vom 15. Oktober nennt Nike, Sephora, Target und Walmart und spricht von einem Rollout in den USA.

Im September hatte Google angekündigt, die neuen Händlerfunktionen Anfang 2027 auf Australien und Kanada auszuweiten. Ein europäischer Markt kommt in keiner dieser Mitteilungen vor. Für einen Hersteller von Hydraulikkomponenten aus Baden-Württemberg ändert sich damit heute nichts.

Agentic Commerce beginnt bei der Auswahl

Die Ankündigung von Universal Cart trennt selbst zwei Spuren: agentische Funktionen, die im Auftrag des Nutzers handeln, und praktische Werkzeuge wie den Warenkorb. Der Warenkorb enthält, was ein Mensch ausgewählt hat. Der Agent wäre derjenige, der auswählt.

Damit steht das Protokoll an seinem Platz. UCP regelt, was nach einer Entscheidung geschieht: welche Fähigkeiten ein Verkäufer anbietet, wie ein Zahlungsnachweis übertragen wird, wem die Bestellung gehört. Wie der Agent zu diesem Lieferanten gekommen ist, regelt es nicht. Wer /.well-known/ucp abruft, kennt die Domain bereits.

Davor hat der Agent getan, was Assistenten tun: Quellen gelesen, Anbieter verglichen, eine Shortlist erstellt. Eine Einkäuferin, die nach „Herstellern von Edelstahl-Kugelhähnen mit ATEX-Zulassung“ fragt, bekommt Namen, keinen Warenkorb. Wer dort nicht genannt wird, erhält keine Anfrage, ganz gleich, was in seiner Manifest-Datei steht. Wie das im Einkauf aussieht, beschreibt die Lieferantensuche hinter dem Login. Warum Google dabei mehrere Oberflächen betreibt, erklärt Gemini ist nicht Google AI Mode.

Was Sie jetzt tun können

  • Die Seite mit den Grundkonzepten auf ucp.dev lesen. Sie ist in weniger als einer Stunde durchgearbeitet.
  • Beim Anbieter Ihrer Shop-Software nachfragen, ob UCP-Unterstützung geplant ist.
  • Preise, Verfügbarkeit und technische Daten als HTML-Seite pflegen, nicht nur im PDF-Datenblatt oder in einem Konfigurator, der JavaScript braucht.
  • Die Länderliste im Blick behalten. Sobald ein europäischer Markt dazukommt, wird die Frage konkret.

Messbar ist heute schon der Schritt davor. PSentry stellt zweimal im Monat dieselben Fragen an ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity, Sprache für Sprache, und hält fest, welche Lieferanten jede Antwort nennt und welche Quellen sie zitiert. Es verändert keine Antworten und greift nicht in den Checkout ein. Es zeigt, ob Sie auf der Liste stehen, mit der ein Agent arbeiten würde.

Ein Protokoll bringt eine Bestellung zu einem Lieferanten, der schon ausgewählt ist. Die Frage für Oktober 2026 lautet deshalb nicht, ob Sie /.well-known/ucp veröffentlichen, sondern ob die Assistenten Ihrer Kunden einem Agenten überhaupt Ihren Namen geben würden.

Was Einkauf und Vertrieb dazu meist wissen wollen

Ist UCP ein Ersatz für unsere OCI-Punchout-Anbindung?

Das Protokoll löst ein verwandtes Problem auf andere Weise. Punchout setzt eine eingerichtete Lieferantenbeziehung voraus, UCP soll Systeme ohne eigens programmierte Integration verbinden und deckt bisher Warenkorb, Checkout, Bestellung, Rabatte und Versand ab.

Können Kunden über UCP ein Angebot anfragen?

Stand 20. Oktober 2026 nicht. Die Seite mit den Grundkonzepten der Spezifikation sieht keine Fähigkeit für Angebotsanfragen vor.

Wer haftet bei einer Bestellung über UCP?

Das Unternehmen bleibt Merchant of Record und behält Transaktion, Haftung und Kundenbeziehung. Abgerechnet wird über den eigenen Zahlungsdienstleister.

Ist Universal Cart in Deutschland verfügbar?

Nein. Google nennt die USA sowie Australien und Kanada ab Anfang 2027, ein europäischer Markt kommt in keiner dieser Mitteilungen vor.